Das Bier ist zu teuer!
Vierzehn Tage lang ertrugen die Fürther den erhöhten Bierpreis, indem sie bei den Wirten das verteuerte Getränk einfach nicht bestellten. Dann reichte es ihnen. Auch anderswo war der Preis gestiegen, und dort hatte es Aufstände gegeben.
Es war am Abend des 5. Mai. Eine größere Gruppe Fürther versammelte sich in der Innenstadt(1) - darunter auch Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren - und forderten vor dem Eingang einer der Brauereien(2) lautstark, den Bierpreis wieder zu senken. Bald flogen Steine durch Türen und Fenster. Aber von innen rührte sich nichts.
Der Zorn richtete sich auf das Haus gegenüber. Auch dort war schließlich eine der Brauereien(3), die es gewagt hatten, den Preis zu erhöhen. Doch diese Brauer-Familie war schnell damit einverstanden, den Preis wieder zu senken und ging somit der Zerstörungswut der aufgebrachten Menge aus dem Weg.
Der Tumult war inzwischen größer geworden, die Wut gärte. Also zog man ein paar Straßen(4) weiter. Bei der dortigen Brauerei(5) gingen nun nicht nur Scheiben und Türen kaputt, sondern man drang in den Hof ein, demolierte, was gerade herumstand und schnitt Gerstensäcke auf.
Inzwischen waren die Ordnungskräfte zwar informiert. Aber ehe sie eintrafen bewegte sich der wandelnde Volkszorn zu den nächsten zwei Braustätten(6), wo man aber versicherte, den Preis wieder zu senken.
Abermals ging es zurück an die erste Stätte des Aufstands. Leider endet der Chronikbericht aus dem Fürther Tagblatt vom 6. Mai 1866 hier, so dass wir nicht wissen, wie die inzwischen als Verstärkung hinzugezogene "Bürgerwehr" die aufgebrachte Menge wieder zur Ruhe gebracht hat. Jedenfalls haben alle Brauereien den Bierpreis wieder auf das alte Niveau (7) gesenkt.
(1) Bäumenstraße
(2) Brauerei Mailänder
(3) Brauerei Humbser
(4) Gartenstraße
(5) Brauerei Grüner
(6) Brauerei Seiboth und Wittwe Steinberger
(7) Sechs Kreuzer pro Maß