Biografisches: Etwas längere Fassung


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Rolf Wolle wurde in einem Vorort Bremens geboren. Sein Vater trug morgens eine Aktentasche zum gebügelten Hemd. Das heißt, er war Angestellter. Seine Mutter hatte diverse Aufgaben. Ihre Hauptbeschäftigung waren die Kinder. Sein Bruder kam drei Jahre nach ihm zur Welt, war aber lauter. Zu laut für Mutters regelmäßige Migräne jedenfalls, was für ihn selbst Küchendienst bedeutete. So lernte er kochen.


In der Schule lernte er auch - schreiben, lesen, vokabulieren, verdrängen. Fußball mochte er nicht. Verklopptwerden auch nicht. Seine frühe Bildung wurde bewiesen durch seine ausgeprägte Kurzsichtigkeit, schulkameradschaftlich als Brillenschlange gebrandmarkt. Ferngesehen wurde nur selten bei den Wolles. Theater fand er langweilig. Seine Rolle als siebenter Zwerg Schneewittchens war verheerend. Im Schullandheim schrieb er zum ersten Mal einen Krimi. "Würde ich Schriftsteller werden?" fragte ihn keiner.
Mit 12 Jahren wurde er in den Stand des Gymnasiasten befördert und dank undankbarster Lehrer und Lehrerinnen schulisches Mittelformat. Die große Hoffnung seines Vater, er würde Sprachgenie oder Beamter, ging den Bach hinunter. Stattdessen zog ein Klavier ins ohnehin enge Wohnzimmer.


Er bekam Musikstunden und begriff, dass Musik machen Vorspielpflichten nach sich zieht, verbunden mit der Annehmlichkeit ein paar Mark für das, von Tanten und Onkeln eingerichtete, Sparschwein zu bekommen.


Hängend und würgend durchlief er das Abitur und einige Verteidigungskasernen der Bundeswehr. Warum und wie er dort Unteroffizier wurde, bleibt ein Rätsel.
Erst als Eingeschriebener der Uni Bremen hörte er von den unglaublichen Möglichkeiten der Welt und schaute nach vorn. Nach dem Tod seines Herrn Papa schrieb er wieder. Es reichte für ein Buch, das 1980 unter dem Titel "Ich liebe mich", dem allgemeinen Trend folgend, Tagebuchseiten abzuschreiben und in Halbsätzen untereinander zu reihen, eigenverlegt erschien. Die Alternativ-Szene dürstete in den frühen 80ern nach dieser Art schauriger Lyrik.


Seine Finger spazierten immer noch auf dem Schwarzweiß der Klaviatur und erdichteten Melodien für skurrile Gedichte. Da ihn jemand dabei belauschte, stieg er fortan geschwind in die Niederungen der kabarettistischen Kleinkunst hinan. Freunde vom Circus Roncalli halfen ihm auf die Beine und auf die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten.


Neben Klavierstunden kabarettisierte er sich durch die Lande, zog dessenthalben extra nach Franken (in Bayern) und avancierte dort, wegen des nicht zu überhörenden Hochdeutschs, zum freiberuflichen Rundfunkredakteur und Moderator, zum K.O. (Kulturorganisator), zum "kabarettistischen Multi-Talent", wie die Presse schrieb.
Der Bühnenerfahrungen von Solo-Kabarett, Musical, und Chansonunterhaltung gesättigt, übersetzte er Musicals, Schauspiele und anderes aus dem Englischen und Amerikanischen.


Als Bremernsier begann er 1993 Momente der hansestädtischen Geschichte in eine Filmfassung zu bringen. Sein Debütfilm, die Erinnerungen an das Varieté Astoria, wurden augenblicklich Pulikumsrenner. Ein Trend, der bei seinem zweiten Film über eine Bremer Sportvereinigung, im Volksmund auch bekannt unter SV Werder Bremen, nicht anhielt. Fußball ist Gegenwartssport, und nicht geschichtsträchtig, musste er zerknirscht feststellen.


Für ein sozial gerechtes Leben in Straße, Ortsteil, Stadt und Land arbeitete der in der Bremer SPD im Ortsverein Peterswerder / Steintor mit und an zwei Zeitungen. Menschen aus seinem Ortsverein an der Weser vermissen ihn noch immer sehr. Der Vorsitzenden Dank für das große Lob.


1999 hat er sich in Fürth angesiedelt, erfreut die Menschen mit kulturellen Kleinodien, setzt Bücher, betreut Internetkunden und brachte Zuschauer beim Theatersommer Fränkische Schweiz, bei den Dullnraamern, beim Fürther Sommertheater und nunmehr nur noch in der Simmelsdorfer Mühle zum Lachen.